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Russische Botschaft
Botschaft irritiert mit Rassistensymbol
David Schafbuch
Vom Internethype zum Symbol Rechtsextremer geworden: Pepe der Frosch
 Foto: rtr
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Die russische Botschaft in London stichelt auf Twitter gegen die britische Regierung. Für Aufregung sorgt aber weniger der Text, sondern die Bebilderung.

Die russische Botschaft in London sorgt mit einem Tweet für Aufregung: Weil der britische Außenminister Boris Johnson kurzfristig zu einem Treffen mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump reiste, twitterte die Botschaft: „Kein Vertrauen in Großbritanniens besten Freund und Verbündeten?“

Für Aufregung sorgt im Netz allerdings weniger der Text des Tweets, sondern das eingebettete Bild: ein grinsender Frosch mit großen Glubschaugen. Ohne Vorkenntnisse erkennt man zwischen Text und Bild keinen Zusammenhang. Der Frosch, im Internet besser bekannt als „Pepe“, hat allerdings einen schlechten Ruf: Er gilt seit einiger Zeit als unfreiwilliges Erkennungszeichen für Rassisten im Netz.

Der Frosch, 2005 von dem Zeichner Matt Furie erfunden, wurde ohne politischen Hintergrund entwickelt. Furies Zeichnungen landeten vor einigen Jahren dann auf den Onlineplattformen reddit oder 4chan: Dort kommunizieren Nutzer häufig durch Bilder miteinander, die auch „Memes“ genannt werden. Das spülte den Frosch bald auch in die Accounts vieler Prominenter wie Sängerin Katy Perry.

Zum rassistischen Symbol entwickelte sich Pepe erst in den vergangenen Jahren: Vor allem im Laufe des US-Wahlkampfs verwandelte er sich zu einem Erkennungszeichen der rechtsextremen „Alt-Right“-Bewegung, die Donald Trump unterstützt. Im Netz erschien Pepe häufig nun mit einem Hitlerbart oder in einer Robe des Ku-Klux-Klan, aber auch mit blonden Haaren und im blauen Anzug wie Donald Trump, wodurch er auch in Trumps Twitterprofil landete.

Pepes Umdeutung ging so weit, dass nicht nur Hillary Clintons Wahlkampfteam vor ihm warnte, sondern auch die „Anti-Defamation-League“: Die amerikanische Organisation, die gegen die Diskriminierung von Juden eintritt, setzte den Frosch in eine Datenbank von Hasssymbolen, die von Rechtsextremisten genutzt werden. Gemeinsam mit Schöpfer Furie startete die Organisation auch die Onlinekampagne #SavePepe, um die rassistische Verwendung seiner Figur zu stoppen.

Bislang äußerte sich die russische Botschaft nicht weiter zu dem Tweet. Ein Zufall kann aufgrund der langen Vorgeschichte des Memes aber ausgeschlossen werden. Vermutlich wollte sie sich Gehör unter der rechtsextremen Community verschaffen: Viele Anhänger der „Alt-Right“-Bewegung gelten wie Donald Trump als russlandfreundlich. Die Umdeutung von Pepe dem Frosch ist bisher offenbar nicht erfolgreich gewesen.

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