HOME SPORT
ÜBERSICHT | EINTRACHT FRANKFURT | BASKETBALL | BOXEN | EISHOCKEY | MOTORSPORT | GOLF | HANDBALL | LEICHTATHLETIK | PFERDE | RAD | SEGELN | TENNIS
Werbung
Eintracht Frankfurt
Tür zu, Tür auf
Thomas Kilchenstein
Fußballballett: Max Besuschkow (rechts) zeigt seine Stollen unter den Schuhen.
 Foto: Jan Huebner
Werbung

Der VfB Stuttgart hat für Max Besuschkow keine Verwendung mehr, die Eintracht attestiert dem U19-Nationalspieler großes Potenzial.

An diesem Montag hat der Frankfurter Trainer Niko Kovac die Schlagzahl noch einmal erhöht. Nach dem Testspiel am Abend zuvor gegen den drittklassigen chinesischen Erstligisten Changchun Yatai (3:0) mussten die Eintracht-Kicker zweimal ran. Es ging knackig zur Sache, und Niko Kovac war zuweilen nicht so zufrieden mit den Trainingsleistung seiner Eleven. Immer wieder ging er lautstark dazwischen, er korrigierte, gestikulierte, mahnte seine Spieler. Es geht ihm in diesen Tagen vorrangig darum, offensive Lösungen gegen gut und massiert stehende Mannschaften zu finden. In der Rückrunde erwartet die Eintracht verstärkt solche Gegner im eigenen Stadion, und da will sie gewappnet sein. Ohnehin liegt es den Hessen nicht so sehr, das Spiel machen zu müssen. Da sieht Kovac Handlungsbedarf.

Leere Worte beim VfB

Einer, der ordentlich mitmischt in der Trainingsgruppe und den vor einer Woche noch keiner kannte, ist Max Besuschkow. Der 19 Jahre alte deutsche U19-Nationalspieler kommt von der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart, er kostete etwa 100 000 Euro und soll sich in Frankfurt in aller Ruhe entwickeln. „Wir wollen ihn hier aufpäppeln“, hat Kovac nach seinem ersten Spiel am Sonntag gegen Changchun gesagt. Besuschkow gehörte zu den ganz wenigen Frankfurter Spielern, die volle 90 Minuten durchspielen durften. Er habe seine Sache ordentlich gemacht, urteilte der Fußballlehrer. Besuschkow, der zehn Jahre beim VfB spielte, ab der U10, ist Eintracht-Vorstand Fredi Bobic, einst beim VfB tätig, bestens bekannt. „Ich kenne ihn, seit er 15 Jahre alt ist“, sagte Bobic dieser Tage. Er sei ein Spieler „mit großem Potenzial“, der in der Jugend „eine überragende Entwicklung“ genommen habe. Mit der B-Jugend wurde der Mittelfeldspieler Deutsche Meister. Doch irgendwie, sagt Bobic, sei er dann „in der U19 hängen geblieben“.

Besuschkow hat sich vom VfB nicht im besten Einvernehmen getrennt. „Mir wurde die Tür zugemacht“, beschreibt Besuschkow, der in Tübingen geboren wurde; seine Eltern sind Russlanddeutsche. Vorgesehen war, dass der Rechtsfuß nach der U 19-EM zu den Profis stoßen sollte. Doch nach nur einer Woche sei er von Trainer Jos Luhukay nach unten zur zweiten Mannschaft abgeschoben worden. Auch als das Interesse der Eintracht bekannt wurde, legten ihm die Schwaben keine Steine in den Weg. Er sei ein zu ähnlicher Spielertyp, zudem habe er Probleme mit dem Tempo, nannten VfB-Trainer Hannes Wolf und Manager Jan Schindelmeiser Gründe, das Talent ziehen zu lassen. Daran hatte Besuschkow schon zu knabbern, er war ein VfBler durch und durch. „Der VfB steht ja dafür, junge Spieler auszubilden, und die Durchlässigkeit zu den Profis ist hoch.“ Bei ihm habe es wohl nicht so geklappt.

Klar, sagt Besuschkow in Abu Dhabi zwischen zwei Trainingseinheiten, er sei kein Sprinter für die Außenbahn. Er sei aber einer, der „im Kopf schnell schalten kann“. Er brauche auf zentraler Position im offensiven Mittelfeld Bälle, die er verteilen könne. „Ich kann ein Spiel lenken.“ Soweit, das weiß der 19-Jährige, ist er noch lange nicht. „Ich muss Fahrt aufnehmen.“

Gutes Gefühl bei Kovac

So riesengroß war für ihn der Sprung aus der Regionalliga in die Bundesliga nicht, er habe ja beim VfB schon bei den Profis trainiert, wenn auch kurz. Trotzdem hat er festgestellt, dass bei der Eintracht die „Qualität höher ist als in Stuttgart, hier sind die Mitspieler noch ein Stückchen besser“. Für den jungen Mann, der einen Vertrag bis 2020 bei der Eintracht geschlossen hat, sei zwar vieles neu und er müsse sich noch an vieles gewöhnen, im Endeffekt „geht es aber immer um Fußball“. Einen speziellen Zeitplan, bis wann er den Sprung in den Kader geschafft haben will, hat er natürlich nicht. Er habe „alle Zeit der Welt“, sich durchzusetzen.

Das Gespräch mit Trainer Niko Kovac jedenfalls habe ihm ein gutes Gefühl gegeben. Kovac habe ihm gesagt, er soll sich reinhauen und Gas gegen. Aber so ähnlich hießen die Ansagen seinerzeit auch in Stuttgart. „Großen Versprechungen traue ich nicht mehr“, sagt Max Besuschkow. Aus Fehlern könne man ja auch lernen.

Im Spiel und im Training Im Spiel und im Training wird nicht nur Deutsch gesprochen. Vorrangige Sprache ist das Spanische, zumindest wenn es um kurze Anweisungen geht. „Solo“ („allein“, „Zeit“), rapido“ („schnell“) oder „tranquillo“ („ruhig“) sind die Kommandos, die man immer wieder hört. Selbst Torwart Hradecky, der nun wirklich viele Sprachen spricht, aber nicht Spanisch, benutzt diese Kommandos laufend. Kein Wunder: Im Team stehen sieben Spieler, die des Spanischen mächtig sind.Der Trainer Niko Kovac hat andere Lieblingsworte, „Qualität“, ruft er regelmäßig hinein, wenn es um ein sicheres Abspiel geht, und seltsamerweise „allez“ („auf geht’s“). Das ist eindeutig französisch. Doch einen Franzosen hat diese Mannschaft bislang noch nicht in ihren Reihen. Ansonsten, so heißt es aus zuverlässiger Quelle, lernen die ausländischen Spieler bei Dolmetscher und Sprachlehrer Stephane Gödde fleißig Deutsch.
Szabolcs Huszti Szabolcs Huszti hat auch am Montag nicht mit der Mannschaft trainieren können. Die Achillessehne tut ihm weh. Deshalb hatte der ungarische Mittelfeldspieler schon das Freundschaftsspiel gegen seinen alten Klub Changchun Yatai verpasst. Eigentlich stand er zunächst in der Startformation, doch dann zwickte die Ferse. Hinterher hat er sich aber mit einigen seiner ehemaligen Mannschaftskameraden angeregt unterhalten - zumindest mit denen, die Englisch konnten.
Eistonnen Wenn das Training auf dem Platz beendet ist, ist noch lange nicht Schluss. Dann gibt es extra Einheiten. Fahrradfahren, mindestens 20 Minuten auf dem Ergometer, dann ab in eine der vier mit Eiswürfeln bis zum Rand gefüllten Tonnen. Das soll einer schnelleren Regeneration dienlich sein. Angesichts der hohen Temperaturen ist das nicht die schlechteste Möglichkeit, sich wieder herabzukühlen. (kil)
Werbung
Weitere Meldungen aus dem Bereich
Eintracht Frankfurt
Eintracht Frankfurt