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Interview Jesus Vallejo
„Ich habe keinen Kontakt zu Zidane“
Thomas Kilchenstein
Es gibt sicher gemütlichere Lagen: Jesus Vallejo (liegend) in der Obhut von Mannschaftsarzt Christoph Seeger.
 Foto: Jan Huebner
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Jesus Vallejo spricht über seine Träume, einen möglichen Wechsel zu Real Madrid und über den großen Zizou.

So unaufgeregt Jesus Vallejo, die Entdeckung dieser Saison, spielt, so aufgeregt ist er dagegen im Interview. Das er erst gibt, nachdem er 20 Minuten Rad gefahren ist und sich in der Eistonne abgekühlt hat. Stephane Gödde übersetzte.

Herr Vallejo, wer sind Sie eigentlich? Sind Sie Eintracht-Spieler oder Real-Spieler?
Ganz klar, ich gehöre zur Eintracht. Rechtlich liegen die Besitzverhältnisse zwar bei Real Madrid, aber ich spiele für die Eintracht, auch wenn es nur auf Leihbasis ist. Aber das ändert nichts daran, dass ich absolut Teil dieser Mannschaft bin. 

In spanischen Medien war gemeldet worden, dass es sicher ist, dass Sie im Sommer zu Real zurückgehen. Stimmt das?
Das, was in den Zeitungen stand, sind Gerüchte, Sie wissen selbst, die müssen nicht immer mit der Wahrheit übereinstimmen. Deshalb konzentriere ich mich auf das, was ich beeinflussen kann, nämlich auf meine Leistung. 

Hatten Sie denn zuletzt Kontakt mit Trainer Zinedine Zidane?
Mit Zidane habe ich bisher noch keinen Kontakt gehabt, weder telefonisch, noch persönlich. Der engste Kontakt zwischen den beiden Klubs besteht über die Athletik- beziehungsweise Reha-Trainern, weil man sich koordiniert und entsprechende Informationen hinsichtlich meiner Form und Entwicklung austauscht. Real fragt nach meinen Leistungen, die Eintracht antwortet. Es kann sein, dass jemand von der Scouting-Abteilung Reals nach Frankfurt kommt und sich über mich vor Ort informiert. 

Haben Sie Zidane noch live Fußball spielen sehen?
Ja, allerdings habe ich nicht mehr so viele Spiele von ihm gesehen, allenfalls die am Ende seiner Karriere bei Real oder auch in der Nationalelf Frankreichs. Er hat mich sehr beeindruckt, etwa im WM-Finale gegen Italien, als er den Elfmeter ins Tor gechipt hat. 

Sie haben sich im Grunde als 20-Jähriger fast schon alle Träume erfüllt, die man als Fußballer haben kann. Sie haben einen Sechsjahresvertrag bei Real Madrid. Haben Sie noch Träume?
Es gibt noch viel zu erreichen. Ich bin 20 Jahre alt, das soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Mein Anspruch ist, dass es immer weiter geht. Nach oben will ich mir keine Grenze setzen, sondern mich immer weiter verbessern.

 Ist denn Real Madrid jetzt schon ein erstrebenswertes Ziel? In Frankfurt sind Sie hoch geachtet und Stammspieler, in Madrid wartet eher die Ersatzbank.
Das kann ich momentan noch nicht konkret sagen. Es ist ja keinesfalls sicher, dass ich zurück muss. Real ist nicht verpflichtet, jetzt schon etwas zu unternehmen, vielleicht tun sie es erst im Juni. Was der Klub aber macht: Er berät seine Spieler, was gut für die nähere Zukunft ist. Ich mache mir derzeit keine allzu großen Gedanken, was bis Sommer alles sein kann. Ich lebe im Hier und Jetzt.

Herr Vallejo, Sie wirken stets so abgezockt, so ruhig und unaufgeregt. Was ist das Geheimnis ihrer Gelassenheit auf dem Platz?
Man muss dazu sagen, dass ich auch tolle Mitspieler habe. Das war in Saragossa so. Und das ist jetzt in Frankfurt mit David Abraham genauso, ich kann viel abschauen. Diese Spieler haben eine gewisse Ruhe und Sicherheit, davon kann ich mir eine Scheibe von abschneiden. An ihnen orientiere ich mich. 

Sie kennen keine Nervosität? Egal ob Sie gegen Lewandowski oder Aubameyang spielen.
Angst kenne ich nicht. Es gibt aber eine positive Anspannung vor jedem Spiel. Die Punktspiele sind anstrengend genug, man darf sich nicht auch noch zusätzlichen Druck machen. 

War es womöglich leichter, sich in der Bundesliga durchzusetzen als in Spanien?
Es wird in beiden Ländern zwar ein unterschiedlicher Fußball gespielt. Aber das wäre nur ein Vorwand. Es geht im Endeffekt doch stets darum, sich den Gegebenheiten anzupassen.

Haben Sie denn gedacht, dass Sie so schnell in der Bundesliga Fuß fassen werden?
Als neuer Spieler in einem fremden Land und in einer neuen Mannschaft, will man sich erst einmal in den Dienst der Mannschaft stellen, will einfach nur helfen. Aber wenn ich die Hinrunde für mich persönlich Revue passieren lasse, dann kann ich sagen, dass ich zufrieden bin, wie es gelaufen ist. Trotzdem weiß ich, dass ich noch viel tun muss, auch ich habe noch Luft nach oben. 

In den letzten beiden Spielen sind Sie öfter in die Bredouille geraten als gewohnt. Vorstand Fredi Bobic hat darauf hingesagt, es sei für Ihre weitere Entwicklung ganz gut, auch mal eine Delle in der Karriere meistern zu müssen.
Das ist richtig. Man lernt aus seinen Fehlern, man lernt aus jedem Spiel, aus jedem Training. Und wenn es mal nicht so gut läuft, weiß man, dass man mehr tun muss, dass man die Konzentration wieder erhöhen sollte. Ich bin aber für diese konstruktive Kritik von Herrn Bobic dankbar, es ist doch klar, dass nicht alles in Glanz und Gloria geht. Fehler sind dazu da, aus ihnen zu lernen. Das ist der erste Weg zur Besserung. 

Trainer Niko Kovac lobt Sie fast dauernd: Sie seien klar im Kopf, legten für ihr junges Alter eine erstaunliche Cleverness an den Tag. Woher kommt das?
So genau weiß ich das nicht. Ich glaube aber, dass das mit der Erziehung zusammenhängt und was ich aus dem Elternhaus mitbekommen habe. Meine Eltern sind streng mit mir umgegangen, aber auch sehr fürsorglich. Das ist aus meiner Sicht der Schlüssel.

Interview: Thomas Kilchenstein

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