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Timothy Chandler
Aschenputtel und der Schwan
Thomas Kilchenstein
Timothy Chandler, der Dauerläufer vom rechten Flügel.
 Foto: Jan Huebner
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Timothy Chandler ist der Mann der Hinrunde und das Sinnbild des Frankfurter Aufschwungs - auch wenn er davon nichts wissen will.

Irgendwann in diesem Gespräch hat der Englisch sprechende Kollege das Wort ergriffen und Timothy Chandler gefragt, ob Eintracht Frankfurt den FC Bayern einholen würde. Da hat der US-Boy Chandler kurz gestutzt, aber er hatte die Frage richtig verstanden die Bayern einholen, absurd. Nee, nee, sagte der Rechtsverteidiger dann, 40 Punkte bleibe nach wie vor das Ziel.

Dass ausgerechnet Timothy Chandler das gefragt wurde, ist symptomatisch. Chandler ist das Sinnbild des Frankfurter Aufschwungs, vom Aschenputtel zum schönen Schwan. Vor einem halben Jahr war der 26-Jährige aussortiert, jetzt hat er einen neuen, besser dotierten Vertrag bis 2020 unterschrieben, die Eintracht ist froh, mit so einem guten Spieler verlängert zu haben. Timmy Chandler ist der Mann der Hinrunde, auch wenn er davon nichts wissen will. „Den gibt es nicht“, entgegnet der stets gut gelaunte Chandler prompt, die ganze Mannschaft agiere extrem gut, sei es nun der Torwart, der Stürmer oder der Einwechselspieler. „Das Gesamtpaket stimmt.“

Konditionell auf der Höhe

Und doch ist das Aufstehmännchen in diesem Halbjahr zu einer festen Größe auf dem rechten Flügel aufgestiegen. Das liegt daran, dass er konditionell auf der Höhe ist. „So fit wie in diesem Jahr, war ich in meiner ganzen Karriere noch nie“, erzählt er. In der Vergangenheit hat er oft die Vorbereitungen verpasst, weil er mit der US-Auswahl Turniere zu spielen hatte, bei Copas oder Weltmeisterschaften im Einsatz war. Das hat den Mann mit dem sehr speziellen Laufstil zurückgeworfen. Und schließlich hat es Chandler in dieser Runde allen zeigen wollen. „Ich bin nicht der Typ, der aufgibt.“ Auch als alles auf einen Vereinswechsel hindeutete, hat sich der Frankfurter Bub „nicht runterziehen“ lassen. „Ich mache mein Ding.“ Und Chandler brauchte auch niemanden, der ihm im Nacken saß: „Pushen muss mich keiner, das kann ich selbst.“ Und er hat es wieder allen gezeigt.

Ähnlich war es, als er zu Beginn einer Laufbahn bei der Eintracht gewogen und für zu leicht befunden wurde, und zum 1. FC Nürnberg wechselte. Auch dort biss er sich durch, spielte erst in der Reserve, ehe er zum Bundesligaspieler reifte und nach fünf Jahren beim „Club“ zur Eintracht zurückkehrte. Die Eintracht ist für ihn nämlich kein Klub wie jeder andere. „Und ich bin stolz, in meiner Karriere nur für zwei Klubs gespielt zu haben.“ Dort, wo er sich wohl fühlt.

Sandkörner Auf den ersten Blick klingt die Niederlage niederschmetternd, manche fabulierten sogar schon von der „Schande von Abu Dhabi“. Das ist natürlich Unsinn. Die knappe 1:11-Schlappe, wenn man sie überhaupt als Schlappe bezeichnen will, gehörte doch zum großen Plan. Wie hätte das denn ausgesehen, wenn wir, eine bunt zusammengewürfelte Journalistentruppe zwischen 26 und 59 Jahren, Männlein wie Weiblein, wirklich ernst gemacht hätte. Wenn wir unsere vielen, klaren Chancen nur genutzt hätten? Nee, nee, man muss auch gönnen können. Wann hatte Fredi Bobic zuletzt so viel Spaß, wann durfte Ervin Skela so oft dribbeln, wann hat Uwe Bein sein letztes Tor von der Mittellinie erzielt, wann Charly Körbel so viele Zweikämpfe gewonnen? Und wer gesehen hatte, wie sich Christoph Preuß vorher auf dieses Duell vorbereitet hatte und wie Uwe Müller gesprintet war, der ahnt, was dieses Spiel manchen bedeutet hat. Uns hingegen reichte der Treffer von Jan Strasheim zum Glück. Dass sich anderntags die Sonne verdunkelte und sich dichter Nebel über Abu Dhabi legte, der alle Hochhäuser und Hotelburgen verschluckte - das konnte wahrlich kein Zufall sein. kil
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