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Eintracht-Kolumne
Das Tüpfelchen auf dem I
Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz
Wolfsburgs Alexander Madlung (M.) kämpft gegen Frankfurts Martin Lanig (r.) und Carlos Zambrano.
Foto: dapd
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Eintracht Frankfurt krönt eine überragende Hinrunde mit einem souveränen 2:0 (2:0)-Sieg beim VfL Wolfsburg. Sportdirektor Bruno Hübner bestätigt erstmals öffentlich das Interesse an Verteidiger Marco Russ, der das Spiel von der Tribüne aus verfolgt hat. Kapitän Pirmin Schwegler spricht von „einem Wahnsinnsjahr“.

Dieses feine Spiel schnurrte im Grunde auf flotte sechs Minuten zusammen, sechs Minuten, in denen alles Entscheidende passierte. Als erstes zirkelte der wieder überragende Kapitän Pirmin Schwegler einen Freistoß hart an der Grundlinie lang auf den Kopf von Alexander Meier, die Tormaschine nickte ein, es war Meiers elftes Tor in dieser Runde. Gespielt waren da zwölf Minuten.

Rote Karte für Josues Kung-Fu

Vier Minuten später dann traf der Wolfsburger Josue mit gestreckter Sohle Stürmer Olivier Occean per Kung-Fu-Tritt schwer an der Leiste. Schiedsrichter Peter Gagelmann, der die insgesamt sehr unsaubere Spielweise der Wölfe nie unterband, zeigte dem Mittelfeldspieler sofort die Rote Karte. Da waren 16 Minuten gespielt. Den fälligen Freistoß aus der eigenen Hälfte schlug Schwegler perfekt lang auf Stefan Aigner, der wiederum direkt quer in die Strafraum passte, wo Takashi Inui nur noch vollstrecken brauchte. Das waren 18 Minuten gespielt, es stand 2:0 und die Eintracht hatte einen Mann mehr auf dem Feld. Die Partie war damit entschieden. „Der Platzverweis hat es uns leichter gemacht“, meinte Meier.

Spiel aus einem Guss

Die Eintracht  spielte danach wie aus einem Guss, der Ball zirkulierte wie auf Schienen, mit einer Selbstverständlichkeit, die Staunen machte. Zwischen der 25, und de 29. Minute  passten sich die Frankfurter permanent den Ball zu, ohne dass auch nur ein Wolfsburger an den Ball kam. Geschätzte 60, 70 Ballkontakte am Stück hatten da die Männer in rot-schwarz, sie ließen Ball und Gegner nach Belieben laufen. Es war eine unglaublich souveräne Vorstellung, clever und abgebrüht, so wie man seine Überzahl ausspielen muss. 

Die Hessen hatten nach 45 Minuten fast 60 Prozent Ballbesitz. „Was wir zwischen der 15 und der 40. Minute gespielt haben, war einfach toll“, geriet selbst der sonst so nüchterne Vorstandsvorsitzende  Heribert Bruchhagen schier aus dem Häuschen. „Ich bin hochzufrieden.“

Spielwitz und Frechheit

„Fantastisch“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner über den Frankfurter Auftritt in Wolfsburg. Gerade in der ersten Halbzeit führten die Hessen die Niedersachsen förmlich am Nasenring durch die Arena. Und was Bastian Oczipka und Inui am linken Flügel an Spielwitz, Kreativität und Frechheit an den Tag legten, war aller Ehren wert. Die Eintracht war turmhoch überlegen, der einzige „kleine Kritikpunkt“ (Schwegler) war allenfalls, dass man es versäumte,  das 3:0 und damit den Sack endgültig zuzumachen. „Da hat nach vorn  der letzte Wille und der letzte Biss gefehlt“, sagte der Schweizer.

Sebastian Rode und Occean hatten beste Möglichkeiten in der ersten Halbzeit noch vergeben. Dramatisch war das nicht, weil die Eintracht den Wolfsburgern im zweiten Abschnitt kaum noch eine Gelegenheit ließen. Ohnehin hatten die Hausherren nur eine wirklich große Chance, das war in der neunten Minute, als der sehr starke Carlos Zambrano im letzten Augenblick einen Schuss des freistehenden Vieirinha abblockte. Da hätte die Eintracht in Rückstand geraten können. Wer weiß, wie die Partie dann ausgegangen wäre. Aber so ist Fußball.

Krönung der Hinrunde

Dieser dritte Auswärtssieg und gleichzeitig erst der zweite Sieg zu Null, war die Krönung einer nahezu perfekten Hinrunde. So gut standen die Frankfurter seit 19 Jahren nicht mehr. „Besser kann man eine Hinrunde nicht spielen als Aufsteiger“, jubelte Hübner.30 Punkte und Platz drei ist eine außerordentliche Leistung. „Wer uns das vorhergesagt hätte, den hätte man für verrückt erklärt“, sagte auch Torwart Kevin Trapp. Gerade er ist einer der ganz großen Gewinner der Hinrunde, er hat sich binnen kurzem zu einem der drei besten Torhütern der Bundesliga gemausert.

Auch Alexander Meier mit elf Toren, Bastian Oczipka mit acht Vorlagen, Inui mit fünf Toren oder Stefan Aigner mit sechs Toren und fünf Vorlagen haben sich binnen kurzem zu echten Leistungsträgern entwickelt. Und von Sebastian Rode, den unermüdlichen Antreiber, und Pirmin Schwegler, den Strategen,  gar nicht zu reden „Wir haben in diesem Jahr viel richtig gemacht“, fand Schwegler, er sprach von einem „tollen Jahr, einfach nur Wahnsinn“.

Es hat vieles geklappt in diesen 17 Spielen, „das wichtigste ist, dass wir für irgendetwas stehen“, sagte Trainer Armin Veh. Er hat von Anfang der Mannschaft seine Philosophie vermittelt, attraktiven Offensivfußball spielen zu lassen. „Die Leute sollen wissen, was für einen Fußball wir spielen, wenn sie ins Stadion kommen“, sagte Veh, der nach wie vor am Ziel – Klassenerhalt - festhält. Um das zu ändern, fehlten noch zehn Punkte.

Ferien für die Profis

Ernsthaft freilich verschwendet kaum jemand im Frankfurter Lager noch einen Gedanken an die zweite Liga, eher geht die Blick in die andere Richtung. Veh, der mit seinem Trainerstab für zwei Tage in Klausur nach Zürs reist, fordert weiterhin einen zusätzlichen Innenverteidiger, Hübner bestätigte am Rande des Spiels das Interesse am ehemaligen Eintrachtler Marco Russ. Auch Wolfsburgs Manager Klaus Allofs räumte ein, dass die Eintracht nach dem in Wolfsburg ins Abseits gestellten Verteidiger angefragt habe.

Für die Eintracht-Profis sind seit Samstagabend Ferien. „Wir haben am Freitag unseren Trainings- und Laufplan erhalten. Dann könnten wir eigentlich auch gleich weitermachen“, sagte Schwegler. Auf ihren Lorbeeren sollen sich die Frankfurter Überflieger nicht ausruhen. Die jüngsten Erfolge machen Lust auf mehr.                       

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