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Immobilienmarkt in Frankfurt
Wohnungen statt Büros
Christoph Manus
In der Bürostadt Niederrad hat sich viel getan.
 Foto: Rolf Oeser
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Ausgerechnet Gewerbeimmobilienmakler raten in Frankfurt zur gemischten Nutzung von Büroquartieren. Das Beispiel Niederrad, wo Büros in Wohnungen umgewandelt wurden, könne Schule machen.

Die Stadt Frankfurt sollte nach Ansicht der Gewerbeimmobilienexperten von BNP Paribas Real Estate darüber nachdenken, Nebenlagen mit vergleichsweise hohem Büroleerstand wie das Mertonviertel in gemischte Areale zu verwandeln, in denen auch gewohnt wird. Solange die Wohnnutzung nicht dominiere, bringe eine Mischung von Wohnen und Arbeiten solchen Quartieren viele Vorteile, sagte Geschäftsführer und Niederlassungsleiter Oliver Barth am Dienstag bei der Vorstellung von Zahlen für den Büromarkt Frankfurt.

Als ein Beispiel nannte er die lange von massivem Leerstand geprägte Bürostadt Niederrad. Dort seien durch die Umwandlung von Gewerbeobjekten in Wohnraum zwar Büroflächen verschwunden. Die verbleibenden Flächen aber hätten durch die wachsende Infrastruktur bereits an Attraktivität gewonnen.

Die Nebenlagen aufzuwerten hält Barth schon deshalb für notwendig, weil es besonders kleinere Unternehmen nach seinen Beobachtungen zunehmend schwer haben, in Frankfurt bezahlbare Büros zu finden. Gebaut wird derzeit relativ wenig. Der größte Teil der Büroflächen entsteht in neuen Hochhäusern in der Frankfurter Innenstadt wie dem Marienturm und dem Omniturm. Diese werden aber schon wegen der hohen Grundstückspreise nicht eben zu Schnäppchenpreisen zu haben sein. Von den Büros, die derzeit in Bau sind, werden fast alle für Mieten ab 20 Euro pro Quadratmeter angeboten werden. Auch die Höchstmiete von zuletzt 38,50 Euro pro Quadratmieter dürfte nach Einschätzung von BNP noch steigen.

Weil die Nachfrage nach Büros in Frankfurt hoch ist, wenige neue Flächen entstehen, von diesen der größte Teil vorvermietet ist und sich die Umwandlung von Büros in Wohnraum oder auch Hotels fortsetzen dürfte, ist der Leerstand in Frankfurt weiter gesunken. Zu diesem Ergebnis kommen etwa die Immobilienexperten von CBRE, Colliers und Black Olive. Für BNP ging Niederlassungsleiter Barth am Dienstag davon aus, dass die Leerstandsquote für die sogenannte gif-Zone (Frankfurt, Eschborn, Offenbach-Kaiserlei) dieses Jahr unter zehn Prozent fällt. Im eigentlichen Stadtgebiet könnten bald erstmals seit vielen Jahren weniger als eine Million Quadratmeter Büroraum leerstehen, sagte er. Nicht eingerechnet in diese Statistik sind allerdings Immobilien, die nicht innerhalb von drei Monaten bezogen werden könnten.

Noch keine große Rolle spielt bisher der Brexit. Das wird sich nach Einschätzung von Barth erst ändern, wenn der EU-Austritts-Antrag gestellt ist und klar ist, unter welchen Konditionen er kommt. Auch andere Makler äußern sich bisher zurückhaltend. „Eine Katapultwirkung“ werde der Brexit auch 2017 nicht haben, formuliert man bei Black Olive. Die Experten von CBRE können sich vorstellen, dass mit dem Beginn der Verhandlungen die Nachfrage nach Büroflächen in Frankfurt steigt. Das werde angesichts des begrenzten Angebots an hochwertigen Büroflächen zu tendenziell weiter steigenden Spitzenmieten führen, heißt es. Die Immobilienbesitzer werden auch nach Einschätzung von Knigth Frank „den einen oder anderen Mietzins erhöhen“, um vom Brexit zu profitieren.

Verkäufe und Projekte Für fast 6,7 Milliarden Euro sind im vergangenen Jahr in Frankfurt Gewerbeimmobilien gekauft worden. In keiner anderen deutschen Stadt waren die Umsätze so hoch. Neue Besitzer haben etwa der Taunusturm, der Commerzbank Tower, das Squaire am Flughafen, der IBC-Komplex und die Adlerwerke. Fertig werden soll dieses Jahr etwa der Neubau der Deutschen Vermögensberatung im Bahnhofsviertel. Mitte 2018 soll der Turm Winx errichtet sein. Erst 2019 dürften Marienturm und Omniturm, die ebenfalls im Bankenviertel entstehen, bezogen werden. (cm)
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