Die Ankündigung des Frankfurter Ordnungsdezernenten Volker Stein (FDP), das Verbot von Tanzveranstaltungen am Osterwochenende strikt durchsetzen zu wollen, sorgt mittlerweile über die Stadtgrenzen hinaus für Aufregung. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im hessischen Landtag, Sarah Sorge, kündigte an, nach den Osterferien einen Vorschlag zur Änderung des umstrittenen Feiertagsgesetzes unterbreiten zu wollen.
Der Passus über die Tanzverbote an Feiertagen sei „überholt“, sagte Sorge der FR: „Die Zahl der christlichen Gläubigen ist rückläufig, vor allem derer, die den Glauben in dieser vorgeschriebenen Form leben.“ Das Gesetz müsse daher den Bedürfnissen der Gegenwart angepasst werden. „Ich sehe nicht, wie Tanzveranstaltungen in geschlossenen Räumen die religiöse Ruhe stören sollten“, sagt Sorge. Ein Tanzverbot passe nicht in ein „pluralistische Stadt“ wie Frankfurt. Die Frankfurter Ordnungsbehörden forderte sie auf, das bestehende Gesetz nicht so rigoros zu handhaben, wie von Ordnungsdezernent Stein angekündigt.
Erste Clubs ziehen Konsequenzen
Derweil hat in Frankfurt der erste Club Konsequenzen gezogen. Das Odeon in der Frankfurter Innenstadt hat alle für Gründonnerstag und Karfreitag geplanten Veranstaltungen abgesagt. Ob das ausreichen wird, um einer Sanktion durch das Ordnungsamt zu entgehen, bleibt abzuwarten. Stein hatte, dem Wortlaut des Gesetzes folgend, angekündigt, auch am Karsamstag zwischen null und 24 Uhr, sowie am Ostersonntag und Ostermontag zwischen vier Uhr morgens und zwölf Uhr mittags die Einhaltung der Feiertagsvorschriften kontrollieren zu wollen.
Rückendeckung erhält Stein vom Frankfurter Stadtkämmerer und Kirchendezernenten Uwe Becker (CDU). Stein wende nur geltendes Recht an, betonte Becker gegenüber der FR. „Man kann nicht ständig die Erosion des christlichen Fundaments unserer Gesellschaft beklagen, und sich gleichzeitig bei jeder Einschränkung beschweren.“ Für ihn sei insbesondere der Schutz des Karfreitags entscheidend.
Online-Aktivisten sammeln derweil Unterschriften für eine Petition an den Landtag mit weitgehenden Forderungen. Unter anderem wird die Aufhebung des Verbots von Tanzveranstaltungen an allen Feiertagen außer dem Volkstrauertag verlangt. „Kirchliche Feiertage reichen heutzutage als Grund nicht mehr aus, um den Menschen das Tanzen zu verbieten“, sagte Initiator Marcus Bender aus Offenbach. Viele scheinen das ähnlich zu sehen. Bis zum frühen Donnerstagabend hatten sich bereits mehr als 1000 Unterstützer der Petition angeschlossen.



