Das Oldtimer-Flugzeug aus Gelnhausen sollte beim Flugtag im mittelfränkischen Schnaittach-Lillinghof eine Hauptattraktion sein. Tatsächlich brachte der beim Start ausbrechende Doppeldecker einer Zuschauerin den Tod und verletzte 38 weitere Gäste zum Teil schwer. Das Unglück vom Sonntag weist Parallelen auf zu einem Unfall auf dem Gelnhäuser Flugplatz: Eine Maschine gleichen Typs war ebenfalls beim Abheben verunglückt. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau soll es sich in beiden Fällen um den selben Piloten handeln.
Es war am Vormittag des Neujahrstages 2002, als der Motor der rund 60 Jahre alten De Havilland 82A Tiger Moth zu einem privaten Rundflug angeworfen wurde. Doch der britische Doppeldecker kam nicht in die Luft, sondern lag Sekunden später als Wrack im Schnee. In den Akten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) heißt es dazu: „Kurz nach dem Abheben trat eine Triebwerkstörung auf. Der Pilot flog eine Umkehrkurve und landete auf einer nicht mehr genutzten Bahn mit weichem Boden. Das Flugzeug überschlug sich.“
Weitere Einzelheiten wurden behördlicherseits nicht eruiert. Die BFU wird nach eigenen Angaben in der Regel nicht tätig, wenn keine Menschen zu Schaden kommen. Der Überschlag ging seinerzeit für den Piloten glimpflich ab. Die BFU sei nicht dazu da, Unfallursachen zu erforschen, nur um etwa Versicherungsfragen zu klären, sagte ein Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau. Seltene Oldtimerflugzeuge seien nicht relevant für das Hauptziel der BFU, Erkenntnisse für die Unfallverhütung zu gewinnen.
Zu dem Unglück in Lillinghof konnte die Polizei am Montag sowohl menschliches als auch technisches Versagen nicht ausschließen. Der 68-jährige Gelnhäuser Pilot, gegen den wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt wird, wollte offenbar zu einem Formationsflug mit zwei weiteren Doppeldeckern starten. Doch die Tiger Moth mit dem Kennzeichen D-EBKT brach plötzlich nach rechts aus und raste ins Publikum. Eine 46 Jahre alte Frau wurde vom Propeller tödlich getroffen. Fünf Menschen, darunter ein zehn- und ein zwölfjähriges Kind, wurden schwer verletzt. Augenzeugen berichteten, die Maschine habe anscheinend nicht ausreichend Tempo gehabt, um abzuheben.
Eine Böe oder der Luftwirbel eines anderen startenden Flugzeugs könnte den Oldtimer destabilisiert haben, lautet ein weiterer Erklärungsversuch. Der Pilot, der unverletzt blieb, verweigert laut Polizei bislang die Aussage. Ein Alkoholtest sei negativ. Die verunglückte Maschine, Baujahr 1941, ist der gleiche Typ wie bei dem Unfall in Gelnhausen, laut dem 1985 registrierten Kennzeichen aber nicht mit dieser identisch. Sie ist auf dem Gelnhäuser Flugplatz beheimatet, gehört aber nicht dem Aero-Club, sondern ist Privateigentum wie Vorsitzender Benjamin Schaum der Frankfurter Rundschau auf Anfrage sagte.
„Wir sind alle geschockt und bestürzt über das Unglück“, beschrieb Schaum die Stimmung der Flieger. Weiter wollte er angesichts des Ermittlungsverfahrens nicht Stellung nehmen.
Auch die Gelnhäuser Flieger wollen nächstes Jahr wieder zahlreiche Oldtimer bei ihren „Air Classics“ vor Tausenden Zuschauern starten lassen. Die Risiken solcher Veranstaltungen zeigten sich am Sonntag auch in Langenselbold. Ein Kleinflugzeug raste führerlos über den Rasen. Zum Glück kam niemand in die Quere.

