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Vorlesewettbewerb
Lust-Leser
Gesa Fritz
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21 Sechstklässler aus dem Kreis liefern sich einen Wettstreit mit dem Buch in der Hand. Einige von ihnen haben sich wochenlang darauf vorbereitet, andere finden Lesen ansonsten blöd.

Jacklyn Kleindienst findet Lesen fad. Freundlich formuliert. Tanzen und Singen, das ist ihr Ding. Aber die Freizeit freiwillig mit einem Buch teilen? Eine seltsame Idee, findet sie. Trotzdem saß die Zwölfjährige am Mittwoch nach Schulschluss noch im Medienraum der Gesamtschule Am Rosenberg und las mit heller Stimme für rund 60 Zuhörende vor.

In der Hofheimer Schule fand an diesem Tag der Regionalentscheid des Vorlesewettbewerbs 2010/2011 statt. Es ist der größte bundesweite Lesewettstreit, der jedes Jahr vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausgeschrieben wird. Schon seit 1959 wird auf diese Weise versucht, bei den Teenagern die Lesekompetenz zu stärken oder überhaupt erst einmal die Leselust zu wecken.

Jacklyn gehört zu den 21 besten Vorlesern unter den Sechstklässlern im Kreis. In der Gesamtschule stellten sich die Elf- bis Zwölfjährigen einer Jury, die unter ihnen wiederum die besten küren sollte. Die Sieger nehmen im Sommer am Landeswettbewerb teil und wenn sie dort erneut ihre Mitleser ausstechen, dürfen sie zur Endausscheidung nach Berlin.

Völlig unerwartet für Matthias Röser, Schulleiter der Gesamtschule, war, dass etwa ein Drittel der Teilnehmer Jungen waren. Sie gelten als schwer für Bücher begeisterbar. Angenehm überrascht war er auch über die Zahl der Vorleser aus den sogenannten bildungsfernen Schichten und mit Migrationshintergrund. Denn Lesen sei eine Schlüsselkompetenz, betont Röser. Wer Texte nicht lesen und verstehen könne, habe selbst in Mathematik schlechte Karten.

Kein hörbarer Unterschied

Um den Schülern zusätzliche Anreize zu bieten, durfte jeder seine Lektüre selber wählen. So war eine bunte Mischung verschiedener Genres vom Krimi über Fantasy bis zur Autobiografie zu hören. Die Schüler traten in zwei Gruppierungen an: In der einen lasen Gymnasiasten und Realschüler, in der anderen Hauptschüler. „Ein Unterschied ist aber nicht hörbar“, sagt Schulleiter Röser. Das Niveau sei insgesamt sehr hoch.

Den Siegertitel unter den Hauptschülern errang Ismail Bendadda, Schüler der Vincenzschule in Hofheim. Vier Wochen lag hatte der Elfjährige sich auf den Wettkampf vorbereitet. Mutter und Bruder tagein, tagaus immer wieder die selbe Textstelle vorgelesen. Für einen wie Ismail, der sich nach einem anstrengenden Schultag gern mit einem Buch im Bett entspannt, eine angenehme Übung.

Den Gesamtsieg unter den Gymnasial- und Realschülern fuhr – ebenfalls dem Klischee zum Trotz – auch ein Junge ein: Jannis Rösner von der Elisabethenschule in Hofheim.

Allein bei Jacklyn scheinen die Bemühungen nicht zu fruchten. Der Wettbewerb sei zwar spannend gewesen, sagt die Schülerin der Gesamtschule Am Rosenberg. Aber Lesen, nö, dazu habe sie auch weiterhin keine Lust.

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