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Kaufhauskette
Woolworth macht die Tore weit auf
Evelyn Binder
Eine Woolworth-Filiale in Herne.
Foto: dapd
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Verstaubt, altbacken, unübersichtlich – dieses Image will Woolworth endgültig ablegen, sagt Dieter Schindel, Sprecher der Woolworth-Geschäftsführung. Dazu sollen langfristig bis zu 500 neue Filialen beitragen.

Die neuen Eigentümer der gerade aus der Insolvenz entlassenen Kaufhauskette – die Tengelmann-Gruppe und die HH Holding um Kik-Gründer Stefan Heinig – wollen zwei Drittel der rund 163 Filialen in den nächsten Monaten umbauen und auf ein modernes, frisches Konzept umstellen. Gleichzeitig soll zügig expandiert werden.

Gut 50 neue Filialen will Schindel bundesweit jedes Jahr eröffnen – einige davon in ehemaligen Hertie-Häusern. Mittelfristig sieht der Manager Potenzial für 250, langfristig sogar für 500 Standorte in Innenstädten, Stadtteilzentren und Shoppingcentern.

„Jede attraktive Kleinstadt mit mehr als 30.000 Einwohnern soll wieder ihr Nahversorgungskaufhaus bekommen“, sagt Schindel.

Grabbel-Kisten mit Ramschware soll es in den Filialen künftig nicht mehr geben. Woolworth sehe sich zwar auch künftig vor allem als Anbieter für „untere und mittlere Einkommen“; die Qualität der Waren soll aber deutlich steigen. Dafür wurde beispielsweise für das Damenwäsche-Sortiment ein Hersteller aus dem Fichtelgebirge verpflichtet, der in Deutschland produziert. „Wir wollen kein Ramschkaufhaus sein“, sagt Schindel.

Das Sortiment wird kräftig ausgedünnt, Ladenhüter wurden rausgeschmissen: Statt 20.000 soll es künftig nur noch 6000 Artikel geben, ein Drittel davon aus dem Textilbereich. Schuhe, Sportartikel, Alkohol und Multimedia-Artikel werden Kunden bei Woolworth künftig vergeblich suchen. „Wie werden aber natürlich weiter Elektrokleingeräte wie etwa Toaster verkaufen“, so Schindel. Das Markenartikel-Angebot wird deutlich ausgebaut, wichtige Sortimentssäulen bleiben dabei Schreib-und Haushaltswaren sowie Spielzeug. Große Hoffnungen setzt Schindel zudem in Dekorations-Artikel, Zubehör für Tiere sowie in das neue Geschäft mit Lizenzartikeln von Disney, Hello Kitty und Playboy.

Gehälter sollen steigen

Schindel ist überzeugt davon, mit dieser neuen Strategie mehr Erfolg zu haben als der gescheiterte Wettbewerber Hertie – auch deshalb, weil Woolworths Verkaufsflächen kleiner seien und das Sortiment bald auf der Höhe der Zeit sei. Auch die Kosten habe man in den Griff bekommen: Die Verwaltungs- und Logistikkosten wurden durch die Zusammenlegung von Standorten um 60 Prozent reduziert, auch die Filialmieten konnten gesenkt werden.

Einkaufen will Woolworth künftig nicht mehr bei Einkaufsverbänden, sondern direkt bei Produzenten und Großimporteuren. Auch die Löhne der 4600 Mitarbeiter lägen derzeit noch unter dem branchenüblichen Niveau. Die Gehälter sollen aber nach Auslaufen einer entsprechenden Vereinbarung Mitte kommenden Jahres angehoben werden, so Schindel. Ein Großteil der Beschäftigten arbeitet in Teilzeit. In den Filialen hat nur der Filialleiter eine Vollzeitstelle.

Zahlen zum Umsatz und Ergebnis nennt Schindel nicht, Prognosen will er auch nicht abgeben. „Wir schreiben aber schon jetzt schwarze Zahlen“. Anders sind die ehrgeizigen Expansionspläne auch nicht zu finanzieren: Die neuen Eigentümer investieren im kommenden Jahr zwar rund 40 Millionen Euro in die Renovierung der alten Standorte, die Expansion aber müsse aus dem laufenden Geschäft finanziert werden, sagt Schindel. Kalkuliert wird dabei mit rund 450.000 Euro für jeden neuen Standort.

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