Sie heißen „Rocky“, „Spider“ oder „Hero“, sind als sportliche Hüte getarnt oder aus edlem Nappa-Leder gefertigt. Fahrradfahrer müssen sich heute nicht mehr mit klobigen und unansehnlichen Helmen abgeben. Inzwischen arbeiten Hersteller mit immer leichteren Materialien und kreativen Designs.
Im vergangenen Jahr verunglückten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 71 000 Radler im Straßenverkehr. Kinder bis 14 Jahren sind dabei einem besonderen Risiko ausgesetzt, da sie von Pkw-Fahrern schnell übersehen werden. Vor allem in der Fahrrad-Saison steigt die Zahl der verletzten Kinder: Im vergangenen Jahr mussten zwischen April und September jeden Monat rund 520 junge Radler mit Kopfverletzungen in Krankenhäusern behandelt werden.
Fahrradhelme können bei Stürzen lebensgefährliche Verletzungen verhindern und trotzdem schützt sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur jeder zehnte Fahrradfahrer mit einem Helm. Bei Kindern bis zu zehn Jahren sind es immerhin gut die Hälfte.
Große Auswahl an Modellen
Die fehlende Bereitschaft, einen Helm zu tragen, hat meistens ästhetische Gründe: Fahrradhelme zerstören die Frisur und werden oft als unbequem und einengend empfunden. Aus Angst vor einem Styling-Faux-Pas muss aber heute niemand mehr auf einen Kopfschutz verzichten, denn in den vergangenen Jahren haben die Hersteller immer mehr auf leichte Hightech-Materialien gesetzt und dabei auch die ästhetischen Wünsche ihrer Kunden berücksichtigt.
Für Kinder gibt es eine große Auswahl an bunten Modellen und Jugendlichen wird das Tragen von Fahrradhelmen mit Produktnamen wie „Rocky“, „Rapper“ oder „Hero“ schmackhaft gemacht. Doch wie eine Statistik zeigt, sind es weniger die jungen Fahrradfahrer, die auf das Tragen eines Helmes verzichten, sondern Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren, für die meist das Styling-Argument im Vordergrund steht.
Die unauffällige Variante des klassischen Kopfschutzes ist ein Helm, der sich unter einer sportlichen Schirmmütze oder einem Hut versteckt. Ein dünner gepolsterter Stahlhelm dient hierbei als Basis und lässt sich mit Überzügen in verschiedenen Designs individuell gestalten. Hier erinnert nur noch der Gurt daran, dass es sich dabei eigentlich um Schutz- und nicht um Freizeitkleidung handelt.
Darüber hinaus gibt es Helme im Retro-Design, die aus teureren Materialien wie Leder gefertigt sind. Die beiden mit Design-Preisen ausgezeichneten Modelle sind jedoch mit über hundert Euro nicht gerade billig und in ihrer Anschaffung womöglich teurer als manches Fahrrad. Besonders extravagant sind Helme in Form von Tierköpfen oder Irokesenperücken, mit denen sich schlichte Fahrradhelme aufpeppen lassen.
Dass man noch nicht mal einen Helm tragen muss, um seinen Kopf vor Verletzungen zu schützen, zeigt eine Innovation aus Schweden. Zwei Design-Studentinnen entwickelten eine Lösung für all jene, die sich durch den Fahrradhelm nicht die Frisur ruinieren lassen wollen. Der „Hövding“ trägt sich im Normalzustand wie ein Schal über der Kleidung. Sensoren im Inneren der Krause lösen bei plötzlichen und ruckartigen Bewegungen einen Airbag aus, der sich wie ein üppiger Helm um den Kopf schmiegt. So können im Notfall Kopfverletzungen verhindert und Frisur-Katastrophen vermieden werden. Der Airbag reagiert jedoch nicht bei jeder Bordsteinkante, sondern nur bei extremen Bewegungen wie Stürzen. Er wird durch einen Akku betrieben, der mit Hilfe eines USB-Kabels aufgeladen werden kann.
Zur Zeit ist der raffinierte Kopfschutz nur in Skandinavien erhältlich. Interessenten aus anderen europäischen Ländern können ihn jedoch im Internet (www.hovding.com) bestellen. „Hövding“ gibt es in verschiedenen Designs und kostet zur Zeit 320 Euro.



