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Kommentar zum Machtwechsel in Japan
Gelähmtes Japan
Bernhard Bartsch
Wahlhelfer zählen am Sonntag in Tokio die letzten Stimmen aus.
Foto: dapd
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Shinzo Abe und seine konservativen Mitstreiter der LDP können in Japan zwar einen grandiosen Wahlsieg feiern. Doch ein politischer Erfolg wird auch weiterhin ausbleiben.

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Shinzo Abe und seine konservative Liberaldemokratische Partei (LDP) können in Japan zwar einen grandiosen Wahlsieg feiern. Doch die Enttäuschung ist vorprogrammiert. Denn ihre Rückkehr an die Macht zeigt vor allem eines: Japan ist politisch gelähmt. Die einzige Hoffnung besteht darin, das System einmal im Jahr mit einem anderen Premier neu zu starten, doch der Erfolg bleibt seit langem aus. Das liegt vor allem an den verkrusteten Strukturen, welche die LDP in einem halben Jahrhundert Herrschaft aufgebaut hat und an dem sich die Demokratische Partei, die vor drei Jahren mit dem Versprechen einer neuen Ära ins Amt kam, die Zähne ausbiss.

Absteigende Großmacht

So traurig es ist: Japan wird wohl weiter der Prototyp einer absteigenden Großmacht sein: In den Achtzigern war das Land und seine Unternehmen so erfolgreich, dass ihm viele zutrauten, die USA zu überholen. Heute klingen die alten Prognosen nur noch wie Spott: Das Land hangelt sich von einer Krise zur nächsten. Ehemalige Weltkonzerne wie Sony oder Panasonic werden von Ratingagenturen inzwischen auf Ramschniveau bewertet, und spätestens seit der Katastrophe von Fukushima ist das Vertrauen in Japans technologische Überlegenheit dahin. Shinzo Abe kann dem bisher nur patriotische Floskeln von einem „schönen Japan“ entgegensetzen. Mal sehen, wie lange er sich diesmal hält.

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