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Nach Autounfall
NPD-Chef lobt Flüchtlinge
Hanning Voigts
Stefan Jagsch, hier in einer Verhandlung des Arbeitsgerichts in Frankfurt.
 Foto: peter-juelich.com
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Dass der NPD-Politiker Stefan Jagsch von Flüchtlingen gerettet wird, weckt bundesweit Interesse und sorgt für Heiterkeit in den sozialen Netzwerken.

Nach seinem schweren Verkehrsunfall liegt der hessische NPD-Politiker Stefan Jagsch laut seiner Partei weiter im Krankenhaus. Es gehe ihm „den Umständen entsprechend“, sagte Jean Christoph Fiedler, hessischer Landesvorsitzender der rechtsextremen Partei, der Frankfurter Rundschau. Er habe kurz mit Jagsch telefoniert. Über die Unfallursache wisse er allerdings nichts, sagte Fiedler. Auch Jagsch selbst könne sich „nicht wirklich an den Unfall erinnern“.

Stefan Jagsch, NPD-Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl Anfang März in seiner Heimatstadt Altenstadt (Wetteraukreis), war auf der Bundesstraße zwischen Altenstadt und dem benachbarten Büdingen mit seinem Wagen von der Straße abgekommen und frontal gegen einen Baum geprallt. Die ersten Helfer, die sich um ihn gekümmert und ihn aus dem Auto gezogen hatten, waren zwei syrische Flüchtlinge gewesen, die zufällig am Unfallort vorbeigefahren waren.

NPD-Chef Fiedler sagte dazu, die Hilfe der Flüchtlinge sei „wohl eine sehr gute, humane Leistung“ gewesen. Die NPD, die in Altenstadt 10 und in Büdingen 10,2 Prozent der Wählerstimmen erhalten hatte, hatte ihren Kommunalwahlkampf vor allem mit rechter Stimmungsmache gegen Flüchtlinge bestritten. Stefan Jagsch hatte noch Ende Januar an einer Neonazi-Demonstration in Büdingen teilgenommen, bei der die rechtsradikale Aktivistin Melanie Dittmer Asylsuchende unter anderem als „Invasoren“, „sozialschmarotzende Touristen“ und „gesetzlose Primaten“ bezeichnet hatte.

Wie Sylvia Frech, die  Sprecherin der Polizeidirektion Wetterau, der FR am Dienstag sagte, sei die Ursache des Unfalls bislang noch nicht geklärt. „Wir wissen nicht, warum er von der Fahrbahn abgekommen ist“, sagte Frech. Die Bundesstraße zwischen Altenstadt und Büdingen sei bisher nicht als Unfallschwerpunkt bekannt.

Dass ein NPD-Politiker ausgerechnet von syrischen Flüchtlingen gerettet wurde, weckt bundesweit Interesse und zynische Heiterkeit in den sozialen Netzwerken. „Jetzt nehmen einem die Ausländer sogar die Erste Hilfe weg“, schrieb ein Nutzer auf der Facebook-Seite der FR. „Wenn er dadurch seine Einstellung gegenüber Asylbewerbern ändert, dann hatte der Unfall ja sein Gutes“, kommentierte eine andere Leserin. Und ein weiterer Nutzer schrieb: „Das Schicksal hat Humor.“

Der hessische Landtagsabgeordnete Kai Klose (Grüne) verbreitete die Nachricht via Twitter und versah sie mit einem Kommentar: „Aus der Reihe ,Geschichten, die Du besser nicht erfinden kannst...‘“. Das linke „Blockupy“-Bündnis ließ sich auf Twitter ebenfalls zu einem zynischen Kommentar hinreißen: „Deutschland wird von außen zivilisiert: Refugees aus Syrien leisten Erste Hilfe für verletzten NPD-Kader.“

Jagsch und die NPD in Hessen
Vorsitzender Stefan Jagsch war von 2014 bis Ende 2015 Landesvorsitzender der NPD in Hessen.
Herkunft Jagsch, Jahrgang 1986, stammt aus Altenstadt (Hessen).
Daniel Knebel Vorgänger von Jagsch war Daniel Knebel, der von 2012 bis 2014 Landesvorsitzender war. Knebel gilt als militanter Rechtsextremist mit Verbindungen zur Szene der autonomen Nationalisten.
Jean Christoph Fiedler Aktueller Landesvorsitzender der hessischen NPD ist Jean Christoph Fiedler. Fiedler stammt ursprünglich aus Schleswig-Holstein. Ihm werden Verbindungen zum „Nordmark-Versand“ nachgesagt, ein Online-Handel, der rechtsradikales Merchandising vertreibt.
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