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Pegida-Ableger
Legida macht nur noch Kabarett
Bernhard Honnigfort
Das weltoffene Dresden gewinnt die Oberhand, die Pegida-Wutbürger finden nicht mehr genug Ordner für ihre Umzüge.
 Foto: imago/Rainer Weisflog
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Dem fremdenfeindlichen Bündnis Legida geht die Luft aus – sowohl in Leipzig als auch in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden.

Leipzig ist sie erst mal los: Anfang der Woche hat Legida kapituliert. „Wir werden uns hier auf der Straße zukünftig zurücknehmen“, verkündete Arndt Hohnstädter, einer der Anführer des fremdenfeindlichen Bündnisses in der sächsischen Messestadt. Seine Begründung: Angesichts der Sicherheitslage in Deutschland könne Legida mit seinen Kundgebungen keinen Anspruch auf Polizeischutz erheben. Polizisten bräuchten auch einmal Feierabend.

Klingt nett, doch tatsächlich ist Legida schlicht und einfach am Ende. Gerade noch 400 Leute brachten die Abendlandsretter in dieser Woche auf die Beine, 1700 protestierten dagegen. Legida war in Leipzig von Anfang an chancenlos. Die breite Ablehnung durch die Leipziger hat den von Hooligans und Neonazis dominierten kleinen Bruder von Pegida-Dresden zermürbt. Zukünftig will sich Legida mehr im Internet umtun und Kabarettabende veranstalten. Jürgen Kasek, Landeschef der Grünen: „Durch kontinuierlichen Gegenprotest haben die irgendwann einfach die Lust verloren.“

Auch in Dresden schwächelt Pegida, die Mutter aller fremdenfeindlichen Wutbürgerbewegungen. Das Bündnis, im Herbst 2014 gegründet, bekommt seit Monaten gerade noch 1500 bis 2500 Sympathisanten zusammen. Das ist nicht wenig, aber deutlich weniger als vor einem Jahr. Beim letzten Mal Anfang Januar fanden sich in allerletzter Minute die nötigen Ordner, sonst hätte Pegida sein Treffen absagen müssen.

Seit Monaten ist in Dresden nur noch der harte Kern unterwegs. Für das Schwächeln der Zornigen gibt es verschiedene Gründe: Den Rednern sind die Themen ausgegangen. Es ist langweilig geworden, jedes Schimpfwort gegen Merkel ist ausprobiert. Das Ganze, so hat es einmal der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer beschrieben, sei längst ein „Ritual“: Wütende Herrschaften aus dem Dresdner Umland treffen sich, bei gutem Wetter mehr, bei schlechtem weniger. Man schimpft und trinkt Bier, man freut sich, nicht allein zu sein, man bestärkt sich in seiner Weltsicht und fährt wieder nach Hause.

Nur selten gelingt es Pegida noch, große Aufmerksamkeit zu erringen wie am Tag der Deutschen Einheit in Dresden, als Pegidisten Politiker, Feiertagsgäste und Kirchenbesucher anpöbelten. „Es hat bei uns eine hässliche Minderheit gegeben, die den Ruf und Fleiß der Mehrheit der Sachsen in den Dreck gezogen hat“, zog CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich am Jahresende Bilanz.

Aber abgesehen davon ist Pegida sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen. Anführer Bachmann, im Herbst auf die Urlauberinsel Teneriffa ausgewandert, hat sich vor einem Jahr derart mit seiner ehemaligen Mitstreiterin Tatjana Festerling und anderen zerstritten, dass sich ein Großteil der Wut der Wütenden fortan gegen ehemalige Mitstreiter richtete.

Politisch tritt das Bündnis auf der Stelle. Pläne Bachmanns, eine eigene Partei zu gründen, entpuppten sich als postfaktisches Gerede. Und die AfD-Spitze, vor allem die Dresdner Parteichefin Frauke Petry, will nichts mit Pegida zu schaffen haben, so sehr sich Bachmann ihr auch seit Monaten andient. Seit ein Pegida-Mitglied und Montagsredner in Untersuchungshaft sitzt, weil der Mann im Herbst Bombenanschläge auf eine Moschee und das Dresdner Kongresszentrum verübt haben soll, ist Pegida für die AfD absolut tabu.

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