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Künftiger US-Präsident
Donald Trump bleibt er selbst
Damir Fras
In der Lobby des Trump-Towers spricht der designierte Präsident der USA zum ersten Mal seit Monaten vor der Presse.
 Foto: REUTERS
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Wer gehofft hatte, dass aus dem pöbelnden Wahlkämpfer Trump ein besonnener Staatsmann werden könnte, wird enttäuscht. Trump bleibt seinem Stil treu - auch wenn das stillos ist. Ein Kommentar.

Der Gegensatz könnte nicht größer sein. Gerade hat sich Barack Obama mit einer Rede von seinen Landsleuten verabschiedet und bewiesen, dass man kluge Sachen auch sagen kann, ohne Schaum vor dem Mund zu haben und sich selbst über den grünen Klee zu loben. Dann kam Donald Trump, der Ende nächster Woche den Amtseid schwören wird. Er machte die Hoffnungen zunichte, dass dieser Redestil auch in Zukunft Bestandteil des politischen Diskurses in den USA sein wird.

Während seiner ersten Pressekonferenz seit Monaten hat sich der 70 Jahre alte Trump gebärdet und geäußert wie ein pubertierender Jugendlicher. Er wütete gegen Medien, die über Angelegenheiten berichten, die ihm nicht passen. Von Größe zeugt das nicht, sondern von Unbeherrschtheit vom Format einer beleidigten Leberwurst. Dann fielen Sätze wie: „Ich werde der größte Arbeitsplatzbeschaffer sein, den Gott jemals erschaffen hat.“ Herrje. Was soll man dazu sagen?

Eines vielleicht: Wer noch Hoffnungen hatte, dass sich der pöbelnde Wahlkämpfer Trump in einen besonnenen Staatsmann verwandeln wird, der sollte diese Hoffnungen besser fahren lassen. Trump ist Trump. Er bleibt sich und seinem Stil treu, auch wenn das stillos ist.

Konkrete Aussagen von Trump
RUSSLAND I Ja, er sehe Russland hinter den Hackerangriffen während des Präsidentschaftswahlkampfes. - Aber auch von anderen Ländern gebe es Hackerangriffe auf die USA.
RUSSLAND II Nein, er habe keine Geschäfte in Russland, und auch keine Schulden. - Das könnte zwar ein Blick in seine Steuererklärung beweisen, deren Vorlage er aber weiter verweigert.
STEUERERKLÄRUNG Niemand außer Reportern interessiere sich dafür. - Aber 60 Prozent der Amerikaner sehen das anders, und fast alle bisherigen Präsidenten der jüngeren Vergangenheit haben sie schon als Kandidaten offengelegt.
FIRMENIMPERIUM Er wolle sich aus dem Management seiner Firmen herausziehen, die Macht seinen Söhnen übertragen. - Was genau das sicherstellen soll, blieb offen. Prompt reagierte das überparteiliche «Office of Government Ethics»: die Erklärung sei «bedeutungslos» und weit unterhalb üblicher Standards.
OBAMACARE Er wolle das Gesetz aufheben und durch ein neues System ersetzen. - Aber wann, wie und womit, sagte er nicht.
MAUER ZU MEXIKO Sie war ein zentrales Wahlversprechen, und Mexiko werde auch noch dafür bezahlen. - Nun heißt es nur noch, Mexiko werde auf die eine oder andere Weise für die Kosten aufkommen.
PRESSEKONFERENZEN Sie seien ihm vertraut, er gebe sie ja ständig. - Nun war er praktisch täglich im Fernsehen, gab seine letzte Pressekonferenz aber am 27. Juli 2016.
FAKE NEWS So bezeichnete Trump die Berichte von CNN und Buzzfeed über angebliches russisches Material, das ihn erpressbar mache. Falsche Informationen dürften nie an die Öffentlichkeit gelangen. - Das sagte der Mann, der unter anderem führender Vertreter der «Birther»-Theorie war, wonach Barack Obama nicht in den USA geboren sei.
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