HOME US-WAHL
Werbung
USA
Donald Trumps Familienbande
Bernhard Honnigfort
Donald Trump mit Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner.
 Foto: REUTERS
Werbung

Eigentlich verboten, aber egal: Der kommende US-Präsident Donald Trump macht seinen Schwiegersohn Jared Kushner zu einem wichtigen Berater.

Das Geschenk vom Schwiegervater hat er schon: Jared Kushner, am Dienstag 36 geworden, soll neuer Berater des kommenden US-Präsidenten Donald Trump werden. Der junge Immobilienmakler, groß, schlank, dynamisch, verheiratet mit Trumps Tochter Ivanka, bekommt den wichtigen Posten des „Senior Adviser“. Zukünftig soll sich der außenpolitisch völlig unerfahrene junge Mann hauptsächlich um das schwierige Feld der Außenpolitik kümmern, berichtet die New York Times. Konkret soll es um die seit Jahrzehnten vertrackte Nahostpolitik gehen.

Trump hatte Präsident Barack Obama bescheinigt, dessen Nahostpolitik sei gescheitert. Schwiegersohn Jared sei aber jemand, der die Dauerkrise lösen könne. „Jared war eine enorme Bereicherung und vertrauenswürdiger Berater während des Wahlkampfes und der Übergangszeit, und ich bin stolz, ihn in einer Schlüsselrolle in meiner Administration zu haben", teilte Schwiegerpapa Donald mit. Sollte es so kommen, wird Kushner eng mit Trumps Stabschef Reince Priebus und dem Chefstrategen im Weißen Haus, Steve Bannon, zusammenarbeiten. Allerdings ohne einen Dollar Gehalt.

Die Familienangelegenheit ist in Washington umstritten: Laut Gesetz gegen Vetternwirtschaft darf ein US-Präsident keine Familienmitglieder auf Regierungsposten setzen. Trump macht es nun trotzdem mit der Begründung, Nominierungen von Verwandten seien nur bei Kabinettsposten untersagt, aber nicht bei anderen Jobs im Weißen Haus. Diese Interpretation gilt aber als höchst zweifelhaft.

Belohnung für die Wahlkampfhilfe

Wie Schwiegervater Donald ist Schwiegersohn Jared ein steinreicher Immobilienmakler. Der neue Posten ist die Belohnung für Kushners Hilfe im Wahlkampf. Kushner gilt als wichtiger Macher im Hintergrund, als einer der Strategen des erstaunlichen Sieges von Trump über seine Konkurrentin Hillary Clinton. Geschickt und äußerst effektiv organisierte er die verbalen Gefechte in den sozialen Netzwerken und beriet seine Schwiegervater nach dem Sieg bei der Besetzung von Posten.

Kushner entstammt eigentlich einer Familie, die nicht den Republikanern, sondern den Demokraten zugetan war. 2015 soll sich das aber geändert haben als Kushners Vater Charles, der wegen Steuerbetrugs, illegaler politischer Spenden und Zeugenbeeinflussung 14 Monate lang hinter Gittern saß, sein Herz für Trump entdeckte und ihm Spenden zukommen ließ.

Trump senior und Kushner junior sind Brüder im Geiste. Kushner studierte in Harvard und New York, hat Abschlüsse in Betriebswirtschaft und Jura. Er übernahm das Immobilienimperium seines Vaters und vergrößerte es, indem er in Wolkenkratzer in Manhattan investierte. Außerdem steckte er Geld in die Medienbranche. Kushner ist Herausgeber des Wochenblatts New York Observer.

Unübersehbare Interessenkonflikte

Über eine Anwältin ließ Kushner nun mitteilen, er wolle Interessenkonflikte vermeiden. Er scheide aus seinem Unternehmen aus, werde „substanzielle Vermögenswerte" abstoßen und sich aus Dingen heraushalten, die seine persönlichen Interessen direkt berührten.

Was die Bekundungen wert sind, muss sich zeigen. Laut New York Times gibt es unübersehbare Interessenkonflikte. Kushner, der orthodoxer Jude ist, hat enge Geschäftsverbindungen nach Israel. Bereits im November hatte Trump verkündet, sein Schwiegersohn könnte sich künftig um die Beziehungen zu Israel und den Frieden in Nahost kümmern. Laut New York Times hat Kushners Firma Darlehen von der israelischen Bank Hapoalim erhalten. Gegen diese Bank ermittle das US-Justizministerium wegen Vorwürfen, sie habe US-Bürgern bei der Steuervermeidung geholfen.

Kushner ist seit 2009 verheiratet mit Ivanka Trump. Beide haben drei Kinder. Sie ist seinetwegen zum jüdischen Glauben übergetreten. Auch sie spielt eine wichtige Rolle in Vaters Unternehmensimperium, betreibt nebenbei aber auch noch eine eigene Mode- und Schmuckfirma. Beide sind nun nach Washington gezogen. Dass auch sie Macht im künftigen Regierungsbetrieb haben wird, gilt als gewiss. Dabei geht es nicht konkret um Posten, sondern um informellen Einfluss. Womöglich wird sie noch prominenter in Erscheinung treten als Trumps Ehefrau Melania, vermuten US-Medien. Melania Trump will angeblich nicht nach Washington ziehen, sondern erst einmal mit dem zehnjährigen Sohn Barron in New York bleiben will, bis das Schuljahr zu Ende ist. (mit dpa)

Mehr zum Thema
Galerien zum Thema
Werbung
Weitere Meldungen aus dem Bereich