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Volkswagen
VW ist noch nicht aus dem Schneider
Frank-Thomas Wenzel
Verantwortlich für das Milliardendesaster: Ex-VW-Chef Martin Winterkorn trat infolge des Dieselskandals zurück.
 Foto: AFP
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Der Deal in den USA steht fest. Doch Volkswagen hat trotzdem weiterhin Ermittler und Kläger im Nacken. Unter Managern des Wolfsburger Konzerns wächst die Angst vor Festnahmen.

Volkswagen einigt sich mit dem US-Justizministerium auf Strafzahlungen von umgerechnet rund vier Milliarden Euro. Zugleich wächst die Angst vor Festnahmen unter Managern des Wolfsburger Konzerns. Wir erläutern, warum VW noch nicht aus dem Schneider ist.

Wie sieht die Einigung mit der US-Regierung aus?
Zwar wurde der Deal am Mittwoch in Washington vom US-Justizministerium bestätigt, eine Bestätigung des Zolls steht allerdings noch aus. Teil der Einigung war auch ein Schuldanerkenntnis. Im Kern geht es um Verstöße gegen Umweltgesetze wegen Betrügereien bei Abgasmessungen. Die Bordcomputer der Autos sorgen dafür, dass Schadstoffwerte nur bei Tests auf Prüfständen eingehalten werden. Im Normalbetrieb liegen die Emissionen weit darüber.

Ist die Vereinbarung eine gute oder eine schlechte Nachricht für VW?
Eher eine gute. Zwar fällt der Betrag mit 4,3 Milliarden Dollar unerwartet hoch aus. Aber mit der bevorstehenden Einigung macht der Konzern einen großen Schritt bei der Bewältigung der Folgen des Dieselskandals. Unsicherheiten werden damit beseitigt, deshalb ist der Kurs der VW-Aktie am Mittwoch deutlich gestiegen.

Kann der Konzern die Folgen verkraften?
Das kann er. Gleichwohl werden die finanziellen Spielräume eingeschränkt. Dieselgate schlägt mittlerweile mit insgesamt 20,5 Milliarden Euro zu Buche. Der Konzern hat aber nur 18,2 Milliarden dafür zur Seite gelegt. Allerdings haben die Wolfsburger immer noch Liquiditätsreserven von rund 31 Milliarden.

Kommen weitere Kosten auf Volkswagen zu?
Ganz bestimmt. Analysten wie Frank Schwope von der Nord LB taxieren die Gesamtbelastung infolge des Abgasskandals auf 25 bis 35 Milliarden Euro. Größter ausstehender Brocken sind zahlreiche Klagen von Anlegern. Sie werfen dem Management vor, zu spät über die systematischen Manipulationen von Dieselmotoren und die daraus resultierenden Folgen informiert zu haben.

Müssen VW-Manager Konsequenzen fürchten?
Ganz bestimmt. Das US-Justizministerium gab Strafanzeigen gegen insgesamt sechs VW-Manager bekannt. Ende voriger Woche hat das FBI in Florida den VW-Manager Oliver Schmidt festgenommen, der einst für Umweltfragen in den USA zuständig war. Ihm wird Betrug und Irreführung der Behörden vorgeworfen. Heute soll er in Detroit vor Gericht erscheinen. Schmidt und andere VW-Mitarbeiter sollen überdies Ende Juli 2015 die Konzernspitze über die illegalen Abschaltvorrichtungen bei Dieselautos und über die damals schon laufenden Ermittlungen der US-Behörden informiert haben. Seinerzeit soll die Devise gelautet haben, die Betrügereien zu leugnen.

Rückt nun auch das Top-Management in den Fokus der Ermittler?
Wer genau wie viel und wann wusste, ist immer noch unklar. Der Nachrichtendienst „Bloomberg“ berichtet allerdings, dass hochrangigen VW-Managern von ihren Anwälte geraten werde, Deutschland nicht zu verlassen – weil offensichtlich die Gefahr besteht, verhaftet zu werden. Zahlreiche Führungskräfte sind nicht zur gerade laufenden Automesse in Detroit gereist – darunter auch Vorstandschef Matthias Müller.

Warum nehmen die Ermittlungen plötzlich solch eine Fahrt auf?
Das liegt am Machtwechsel in den USA Ende nächster Woche. Nur noch bis dahin ist Sally Yates stellvertretende Justizministerin. Sie hat VW den Kampf angesagt und den Dieselbetrug einen „der ungeheuerlichsten Verstöße gegen Umwelt- und Verbraucherschutzgesetze in der Geschichte unseres Landes“ genannt. Yates will nun offenbar noch Fakten schaffen.

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